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Was ist der Obersteirische Kulturbund und was vermag er zu leisten?

Univ.-Prof. Dr. Günther Jontes, Präsident des Obersteirischen Kulturbundes

Als 1997 beim festlich begangenen 50jährigen Jubiläum des Bestandes des Kulturbundes, der damalige Präsident und heutige Ehrenpräsident Abgeordneter a. D. zum Stmk. Landtag Hans Kirner eine Bilanz des bisherigen Wirkens zog, war er selber schon 32 Jahre an der Spitze dieser Kulturvereinigung gestanden. Er war 1965 dem ebenfalls Jahrzehnte lang wirkenden Dr. Willi Kadletz gefolgt.

Heute umfasst der Kulturbund an die tausend Mitglieder und ist somit die größte Bildungsorganisation auf Vereinsbasis in der ganzen Obersteiermark. Dazu war ein langer Weg zu beschreiten. Seine Veranstaltungen und Bildungsangebote geben ihm sein Profil und all das hängt von materiellen Dingen ab, die erst geschaffen oder organisiert werden müssen. Die menschliche Komponente steht dabei im Vordergrund, denn der Vorstand trägt für Bestand und Entwicklung die Verantwortung. Das war durch die bisherigen Jahre vor allem auch das Problem von Veranstaltungssälen. War es anfänglich der heute nicht mehr existierende „Postsaal“ am Leobener Hauptplatz, so war es bald auch möglich, durch die stets fruchtbare Zusammenarbeit mit der Montanistischen Hochschule, der heutigen Montanuniversität, auch Lokalitäten auf akademischem Boden in Anspruch zu nehmen.

Gast war man immer und es war ein Glücksfall, dass die Stadtgemeinde Leoben in den 60er Jahren mit dem Großen und dem Kleinen Stadtsaal in dankenswerter Weise zu Bedingungen, die einer überaus starken Kulturförderung entsprachen, dem Kulturbund zu ermöglichen, dass die Tradition wachsen konnte, dass während der Kultursaison von Oktober bis Mai jeden Montag dortselbst Vorträge stattfinden konnten. Und als sich 2009 die Situation änderte und sich das Ende dieser Säle abzeichnete, so war es wieder die Stadtgemeinde Leoben unter Bürgermeister Dr. Mathias Konrad, die ihre generöse Förderung fortsetzte und seit 2010 den Erzherzog Johann-Saal im Alten Rathaus/Congress für die Montagvorträge zur Verfügung stellt. Die monatlich in Göß abgehaltenen Vorträge kamen bis heute, immer durch Förderung der Brauerei Göß zu Stande.
Ein besonderer Abschnitt konnte 1997 beginnen, als die Stadtgemeinde in der sogenannten Alten Kaserne in der Peter Tunner-Straße ein Vereinshaus einrichtete und in diesem dem Kulturbund einen der größten Räume zur Verfügung stellte, der sich für Seminare und Sitzungen, Kurse und Sprachzirkel bestens eignet und nun einen echten „heimatlichen“ Mittelpunkt für Vorstand und Mitglieder bildet.

Was betrachtet der Obersteirische Kulturbund nun als seinen Bildungsauftrag? Er sieht sich in seinen Aktivitäten als ein Vermittler von Wissen und Bildung innerhalb eines kulturellen Horizontes, der nicht solitäres Streben nach Dominanz, sondern Zusammenarbeit mit anderen Strukturen anstrebt. Im Lauf der Jahre hat sich die Vernetzung mit zahlreichen Institutionen herauskristallisiert. Von den Anfängen her fühlt der Kulturbund sich mit dem Steirischen Volksbildungswerk besonders eng verbunden. Desgleichen ist es der Historische Verein für Steiermark und der Montanhistorische Verein Österreich. Im lokalen und regionalen Bereich sind es vor allem der Österreichische Alpenverein, die konfessionellen Bildungswerke, die Montanuniversität, die Gymnasien und die Stadtgemeinde Leoben, die auch mit ihren jährlichen Subventionen mithilft, die zahlreichen Vorhaben auch zu verwirklichen.

Vielfalt kennzeichnet die Tätigkeit. Kern sind sicherlich die regelmäßigen Vorträge, die interessante Reisen, kulturhistorische Themen und solche aus dem Reiche der Natur und Alpinistik anbieten. Die seit Jahren abgehaltenen zwölfteiligen Kurse in steirischer Landeskunde, die durch Prüfung die Erwerbung der vom Land Steiermark gestifteten Wartinger-Medaille ermöglichen, finden regen Anklang. Sprachzirkel für die englische und französische Sprache bieten interessante Konversationsmöglichkeiten. Sich literarisch durch kreatives Schreiben zu profilieren ermöglicht eine andere beliebte Runde. Opernfahrten nach Graz und Kulturfahrten in alle Himmelsrichtungen sind mobile Elemente in den Angeboten. Jährlich für die Mitglieder herausgegebenen Buchpublikationen bilden wertvolle Beiträge zur Lokal-, Montan- und Zeitgeschichte. Die Mitwirkung bei brauchtümlichen Anlässen wie der bergmännischen Mettenschicht im Advent und anderen Gelegenheiten sind ein weiteres Zeugnis für die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen.

Wenn der Obersteirische Kulturbund nunmehr auch im Zeitalter der weltweiten Kommunikation durch das Internet angekommen ist, so ist das ein gutes Zeichen dafür, dass folgende Generationen idealistisch gesinnter Kulturfreunde die Ideen, die bisher schon über den Zeiten gestanden sind, auch in die Zukunft getragen werden.

Die Vereinsstatuten: Mehr >>